Lesestoff Buddhismus, Meditation



Das Leben von Bari Lotsawa
von Lama Jampa Thaye

Einer der größten und einflussreichsten Meister in der Geschichte des Buddhismus in Tibet war Bari Lotsawa (1040 - 1111), der zweite Thronhalter der Sakya Tradition. Seine große Leistung sowohl als Übersetzer (Lotsawa) als auch als tantrischer Meister bestand darin, die Kontinuität der kostbaren Vajrayana Lehren in Tibet sicher zu stellen. Sein außergewöhnliches Erbe das er uns vermacht hat sind die berühmten “Einhundert Sadhanas von Bari” (Bari Gyatsa), einer Sammlung von Meditationen über Gottheiten, die bis in unsere heutige Zeit hinein bewahrt wurden und in der aktuellen Vajrayana-Praxis eine wichtige Rolle spielen.

Bari Lotsawa (“der Übersetzer von Bari”) wurde im Jahr 1040 in Kham geboren. Sein eigentlicher Name war Rinchen Drakpa. Nachdem er schon als Kind den Dharma studiert hatte entschloss sich Bari Lotsawa im Alter von 15 Jahren nach Indien zu reisen. Er hatte sich vorgenommen sich zu einem Übersetzer ausbilden zu lassen und solchen Vorbildern wie Rinchen Zangpo und Drokmi Lotsawa nach zu eifern, die der neuen Übersetzungsära zugerechnet werden.

Auf seinem Weg nach Indien traf Bari in Nyethang kurz vor dessen Tod Atisha. Atisha trug ihm auf in Indien bei Dorje Denpa zu studieren, einem großen Meister des Vajrayana und Schüler des Siddhas Jetari.

Bari Lotsawa hat sich zwei Mal für längere Zeit in Indien aufgehalten in deren Verlauf er unzählige Einweihungen und Unterweisungen von Dorje Denpa und anderen Meistern erhalten hat. Er hatte einige Visionen von seinen Yidams Chenresik und Tara, nach denen er Akte des großem Mitgefühls ausführte und Gefangene freikaufte, die zu Unrecht eingekerkert waren. In Ngari, in West Tibet, erhielt er von dem Gelehrten Parahita Unterweisungen über die fünf Hauptwerke von Nagarjuna.

Nach intensivem Studium und Praxis erreichte Bari die Realisation und es sammelten sich zahlreiche Schüler aus ganz Tibet um ihn. Nach dem Tod von Khon Konchok Gyalpo, dem Gründer von Sakya, im Jahr 1103, luden dessen Schüler Bari nach Sakya ein. Sie wollten, dass er der Tutor von Kunga Nyingpo wird, dem Sohn von Konchok Gyalpo, der zu diesem Zeitpunkt erst 11 Jahre alt war. Es wird gesagt, dass er die Aufgabe erst annahm nachdem man Zauberei eingesetzt hatte. Bari Lotsawa kümmerte sich um die Ausbildung von Sachen Kunga Nyingpo und war bis zu seinem Tod im Jahr 1111 der “Thronhalter” oder das Oberhaupt von Sakya. Sein Nachfolger war dann Sachen.

Während dieser Jahre gab Bari seinem jungen Schüler verschiedene Mahayanabelehrungen und übertrug ihm eine ganze Menge von tantrischen Belehrungen. Darunter die “Einhundert Saddhanas”, eine Sammlung von Belehrungen, die er in Indien von Dorje Denpa und anderen Panditas erhalten hatte, das Guhyasamaja Tantra, das Yamantaka Tantra und die drei Tantras von Hevajra. Eine der vier Quellen von Mahakalla, Gönpo Gur, der Sakya Tradition geht darauf zurück dass Bari die entsprechende Einweihung auf Sachen Kunga Nyingpo übertragen hat. Ebenso wurden vier der berühmten esoterischen Unterweisungen, die als die Dreizehn Goldenen Dharmas bekannt wurden, von Bari auf Sachen übertragen, das sind Kurukulla, Kamaraja, Simhamukha und Schwarzer Manjushri.

Im Besonderen wurden die Einhundert Saddhanas von Bari zu einem der berühmtesten Zyklen der Vajrayana Praxis in der Sakya Tradition und zog viele Anhänger auch aus anderen Schulen an. Es ist ein unvergleichlicher Schatz an Gottheiten Meditationen aus allen vier Klassen von Tantras, mit dem Schwerpunkt auf Kriya und Charya Tantras. Er enthält viele Techniken um sowohl weltliche als auch transzendente Ergebnisse zu erzielen. In dieser Sammlung gibt es viele Saddhanas von Gottheiten die Weisheit verleihen wie Manjushri und Prajnaparamita und zahlreiche Saddhanas von Gottheiten die Mitgefühl verleihen wie Chenresik, Langlebensgottheiten wie Weiße Tara und Namgyalma und Reichtumsgottheiten wie Dzambala und Vasudhara. Weiter gibt es das Guhyasamaja Tantra, Yamantaka, eine ganze Anzahl von aufmagnetisierenden Gottheiten wie Kurukulla sowie zornvolle Gottheiten wie Yamari und Hayagriva. Gottheiten die Furchtlosigkeit geben, wie Marichi und die “fünf Schutz Göttinnen”, sie sind ebenfalls in den “Einhundert Saddhanas” enthalten genauso wie auch Gottheiten die bei bestimmten Störungen helfen wie Parnashavari und Achala.

Die “Einhundert Saddhanas” wurden in einer ununterbrochenen Übertragungslinie bis heute innerhalb von Sakya übermittelt. Am Ende des 18. Jahrhunderts fügte Jamgon Loter Wangpo diese Sammlung in sein monumentales Kompendium “Die Sammlung aller Saddhanas” (Drubthap Kundu) ein. Loter Wangpo übertrug die Bari Saddhanas und das restliche Kompendium auf Dakshul Thinley Rinchen, dem damaligen Sakya Trizin und Großvater von H.H. Sakya Trizin. Thinley Rinchen (nach dem unser Zentrum in Bristol benannt ist) übertrug sie dann auf seine Schwester Pema Thinley Dudul Wangmo, die wiederum sie auf Zimok Tulku aus dem Kloster Nalendra übertrug, dem Hauptkloster der Tsarpa-Unterschule in Zentraltibet.

Zimok Tulku übertrug die “Einhundert Saddhanas” auf H.E. Chogye Trichen, dem Oberhaupt der Tsarpa-Schule. H.E. übertrug sie zusammen mit den anderen Teilen von Loter Wangpo`s “Sammlung von Saddhanas” auf Karma Thinley Rinpoche in Lumbini. Rinpoche übertrug die Bari Sammlung auf mich.


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Dieser Text wurde aus dem Englischen übersetzt. Er erschien unter der Überschrift „We Are Not Kind Machines: A Radical Rejection of Sientific Buddhism“ in dem Blog Tricycle, in New York, USA http://www.tricycle.com/ und hat dort zu zahlreichen Kommentaren geführt.






Anmerkungen zum "Naturwissenschaftlichen Buddhismus"
Lama Jampa Thaye

Naturwissenschaft ist omnipräsent in unserer heutigen Welt. Die Erklärungen die sie für unser Leben liefert und ihr Nutzen sind unbestritten. Bekannte Personen des zeitgenössischen Buddhismus fordern nun vor diesem Hintergrund einen “Naturwissenschaftlichen Buddhismus”, denn nur so könne der Buddhismus, ihrer Meinung nach, langfristig überleben.

Ich bin nicht dieser Meinung. Der Dharma muss nicht in einem geschützten Bereich verwahrt werden, etwa unter der Überschrift: "Reserviert für den Glauben", wo Vernunft verboten ist, denn Buddhismus unterscheidet sich an dieser Stelle von theistischen Religionen, sie finden ihre Autorität und ihre Rechtfertigung nur durch die göttliche Offenbarung. Aber gerade weil der Dharma Wert legt auf eigene direkte Erfahrung und seine Bestätigung durch logische Schlussfolgerung findet, muss er seine Rechtfertigung nicht in der Wissenschaft suchen.

Es scheint, dass der große Teil dessen, was in den entsprechenden Diskussionen als Naturwissenschaft verstanden wird, in Wirklichkeit nicht angewandte wissenschaftliche Praxis ist, sondern philosophische Theorie - nämlich Wissenschaftsgläubigkeit und Materialismus. Der Anspruch, dass ausschließlich und allein die Wissenschaft alle Fragen bezüglich der Natur der Realität beantworten kann - oft gepaart mit materialistischen Sichtweisen - ist in Wirklichkeit Wissenschaftsgläubigkeit, ein quasi-religiöser Glaube, der davon ausgeht, dass naturwissenschaftliche Erkenntnis die einzig wahre Erkenntnis ist. Es wird gerne verschwiegen, dass dieser Glaube an die Wissenschaft, die unreflektierte Grundlage ist und nicht das Ergebnis von durchgeführten Untersuchungen.

Meiner Meinung nach ist es notwendig Materialismus und Wissenschaft zu trennen. Wissenschaftliche Entdeckungen sind ein ständig ablaufender Prozess. Moderner philosophischer Materialismus hingegen ist im Wesentlichen vergleichbar mit den frühen Theorien der indischen Charvaka- oder Lokayata-Systemen, die der Buddha und die großen Meister des Buddhismus gekannt und abgelehnt haben.

Moderner Materialismus bringt, verglichen mit den Theorien der Chravakas, keine neuen Erkenntnisse, außer der Illusion, dass wenn komplexe physikalische Prozesse nur genau genug beschrieben werden, wir, die Zuschauer, den Taschenspielertrick nicht durchschauen, mit dem aus unbelebter Materie fühlende Wesen entstehen und so aus der Holzpuppe Pinocchio wird. Materialismus kann nicht erklären wie aus unbelebter Materie das Leben entsteht, wie Bewusstsein aus Nicht-Bewusstsein entstehen soll - jedenfalls nicht überzeugender als ein Theist, der erklärt: und Gott sagte "es werde Licht".

Der Dharma muss sich vor der Wissenschaft nicht fürchten, er muss sich aber auch nicht vor ihr verneigen. Wissenschaft hat ihre Stärken, wenn es darum geht Dinge zu detektieren oder zu quantifizieren, die auf einer materiellen oder mechanistischen Grundlage erklärt werden können, wie zum Beispiel die Struktur der DNA. Die Aufgabe der Wissenschaft ist es, für physikalische Prozesse Hypothesen aufzustellen und deren Richtigkeit zu überprüfen. Diese Beschränkung schmälert nicht den Nutzen physikalischer Untersuchungen aber es zeigt auch deren Schwächen, wenn es darum geht, Dinge zu erklären, die nicht materieller Natur sind, wie Ethik, die Natur des Geistes und die Befreiung von Samsara - die Kernpunkte des Dharmas.

Die Wissenschaft stellt keine Gefahr für den Buddhismus dar. Der Aufruf für einen “Wissenschaftlichen Buddhismus”, der Forderung also, dass der Buddhismus mit den materialistischen Prämissen in Einklang gebracht werden muss, tut dies durchaus - denn solch ein Buddhismus ist nicht mehr der Dharma. Wenn man sich dann im Namen des „Wissenschaftlichen Buddhismus“ einiger Schlüsselbelehrungen entledigt hat, bleibt uns endlich nur übrig, mit gekreuzten Beinen zu sitzen und friedvoll über Frieden zu reden. Dann passt dieser Buddhismus in die spirituellen Workshops, die für teures Geld in der westlichen Welt angeboten werden, dies ist aber nicht der Buddhismus, den meine Meister praktiziert und gelehrt haben.

Nicht jeder, der einen Dialog zwischen Dharma und Wissenschaft für wichtig hält, ist ein Verfechter dieses “Buddhismus für Nicht-Buddhisten”. Man mag sich jedoch fragen, was der Nutzen eines Dialogs ist, wenn es um solche Dinge geht, wie die Wirksamkeit der Meditation durch das Messen der Gehirnströme zu beweisen.

Es mag sein, dass sich die Gehirnaktivität während der Meditation ändert. Aber die Frage bleibt, ob diese Erkenntnis etwas dazu beiträgt, die Verdunklungen des Geistes durch störende Emotionen und Unwissenheit zu überwinden - nur das bringt uns weiter auf unserem Weg. Man mag sich in diesem Zusammenhang auch fragen ob der große tibetische Praktizierende Jetsun Milarepa schneller Erleuchtung erreicht hätte, wenn er die Ergebnisse der heutigen Neurologie gekannt hätte? Die Ursache für die Erfahrungen die der Geist während der Meditation macht, liegt nicht in der Veränderung der Pulsfrequenz und der Veränderung der Gehirnwellen.

Kurz gesagt, der verständliche Wunsch den Buddhismus zu fördern, indem man ihn an dem Prestige der Wissenschaft teilhaben lassen will, schwächt dessen Kraft. Die große Stärke des Dharma liegt in der Diagnose des Leidens und dessen Ursache sowie in der Beschreibung des Pfades zur Überwindung des Leidens - hier spricht der Buddhismus für sich selbst. Der beste Weg den Buddhismus nachhaltig zu fördern, besteht darin, dass er sich treu bleibt, dies zu unterstützen, ist unsere wichtigste Aufgabe.





© Lama Jampa Thaye 2003. All rights reserved. No reproduction without permission.


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Dieser Text stammt aus "Melody of Dharma" und ist eine Niederschrift eines Vortrags S.H. Sakya Trizin

Um Weisheit zu entwickeln, brauchen wir zuerst einen ruhigen Geist, einen Geist der frei ist von konzeptuellen Gedanken. Wir erreichen dies, indem wir einsgerichtete Konzentration entwickeln, bei der der Geist ruhig werden kann und frei von Gedanken - das erlaubt dem Geist in der Klarheit zu ruhen.
Es gibt viele verschiedene Stufen der Meditation. Zur Entwicklung von Meditation ist es notwendig, dass wir einen Platz haben, ohne Lärm und Ablenkung, einen ruhigen und angenehmen Platz. Wenn möglich sitzen wir dort in der vollen Lotusposition, in jedem Fall jedoch mit geradem Rücken und mit unseren beiden Händen im Schoß, eine in der anderen, Handflächen nach oben.
Für Anfänger ist es schwierig den Geist konzentriert zu halten ohne ein Objekt zu haben, deshalb ist es besser ein Konzentrationsobjekt zu haben, wie z.B. eine Buddhastatue, irgendetwas das uns inspiriert oder eine Blume. Das sollte auf Höhe der Augen sein etwa 60 cm entfernt; es sollte auf einer stabilen Unterlage stehen damit es nicht wackelt oder sich bewegt, denn jede Bewegung führt zum Entstehen von Gedanken.
Wir sollten dann drei Dinge zusammen bringen: unseren Atem, unsere Augen und unseren Geist und sie auf dem Objekt ruhen lassen. Wir sollten uns keine Gedanken über die Qualität des Objektes machen wie etwa die Gestalt oder die Farbe des Objekts, wir sollten die drei Dinge stets auf dem Objekt lassen.
Wir werden feststellen, wenn wir etwas hören, dann wird auch ein Gedanke entstehen. Wenn wir einen Stimulus empfinden, entstehen Gedanken. Wenn dies geschieht, sollten wir nicht diesem Geräusch oder dem Gedanken nach hängen und abgelenkt werden, sondern wir sollten unseren Geist sofort wieder zu unserem Meditationsobjekt zurück bringen und ihn dort halten.
Bei der Praxis sich zu konzentrieren gibt es fünf Fehler, die wir vermeiden sollten: Faulheit, Vergesslichkeit, Sinken und Zerstreutheit, Gegenmittel nicht anzuwenden und Gegenmittel zu früh anzuwenden. Der erste, Faulheit, bedeutet, dass wir uns erst gar nicht die Mühe machen uns auf das Meditationsobjekt zu konzentrieren . Der zweite, Vergesslichkeit, bedeutet wir erinnern uns nicht mehr daran, wie wir praktizieren sollen. Den dritten Fehler den wir vermeiden sollen ist Sinken und Zerstreutheit. Von Sinken wird gesprochen, wenn sich der Geist dumpf und schwer anfühlt, wenn wir nahe am Einschlafen sind oder wie im Wasser absinken. Zerstreutheit ist das Gegenteil, wenn unser Geist nicht auf dem Meditationsobjekt bleiben kann, wenn unsere Gedanken aufgeregt sind und in alle mögliche Richtungen gehen. Bei dem vierten Fehler wenden wir kein Gegenmittel gegen diese Fehler an. Beim fünften wenden wir die Gegenmittel zu schnell an, anstatt dass sie helfen, werden sie zum Hindernis für die Konzentration. Das sind also die fünf Fehler die wir vermeiden sollten.
Um diesen Fehlern zu begegnen, gibt es acht Gegenmittel. Die Gegenmittel gegen den ersten Fehler, die Faulheit, sind: Interesse, Anstrengung, Vertrauen und Zufriedenheit. Das erste ist der Wunsch Meditation zu üben. Das zweite Gegenmittel ist Anstrengung. Wenn wir Interesse an der Praxis haben, werden wir uns auch entsprechen anstrengen und bemühen es richtig zu machen. Das dritte Gegenmittel ist Vertrauen, Vertrauen dass wir Resultate erreichen werden, zeitweise und endgültige Resultate. Durch Vertrauen wird die Praxis sehr viel stärker. Das vierte Gegenmittel gegen Faulheit ist Zufriedenheit.
Die Praxis der Konzentration produziert körperliche und geistige Ruhe sowie Wohlbefinden; wenn wir das erleben entwickeln wir Interesse an der Praxis. Das ist wie bei einem Unternehmer wenn er sieht, dass etwas einen Gewinn abwirft beginnt er sich dafür zu interessieren und investiert Anstrengung. Genauso ist es bei uns, wenn wir sehen, dass die Praxis der Konzentration positive Ergebnisse bringt, weckt das unser Interesse. Um so mehr, wenn wir sehen, dass es nicht nur das letztendliche Resultat bringt sondern auch zeitweise Resultate wie körperliche und geistige Ruhe und Wohlbefinden.
Unser Geist und unser Körper sind verlinkt, wenn unser Geist stark ist geht es uns gut, auch wenn wir körperlich nicht ganz fit sind. Wenn unser Geist nicht stark ist führen körperliche Probleme dazu, dass wir leiden. Es ist deshalb wichtig, dass wir die vier Gegenmittel zur Überwindung der Faulheit anwenden. Das wichtigste ist die Anstrengung, wir strengen uns an unseren Geist zu konzentrieren. Auch wenn wir uns faul fühlen oder die anderen Fehler machen können wir uns doch bemühen zur Konzentration zurück zu finden. Es ist auch nützlich über die Nachteile von Samsara zu kontemplieren oder ein inspirierendes Buch zu lesen.
Das Gegenmittel zur Überwindung der Vergesslichkeit ist das Sich Erinnern; sich immer wieder an die Unterweisungen zu erinnern und wie man Konzentration praktiziert. Jedes mal wenn wir mit unserer Praxis beginnen sollten wir uns daran automatisch erinnern wie wir dies machen.
Das Gegenmittel zur Überwindung des dritten Fehlers ist Gewahrsein, die Beobachtung (Überwachung) des Geistes. Es ist wichtig, dass wir unseren Geist beobachten, ob er in die falsche Richtung geht, ob er absinkt oder zerstreut ist. Wie bereits erwähnt, ist absinken wie schlafen. Wenn wir Konzentration üben wird unser Geist manchmal trüb, vergleichbar mit dem Zustand im Schlaf. Es kann auch des Gegenteil eintreten und in unserem Geist sind viele Gedanken, wir denken an Dinge die wir tun wollen, Orte zu denen wir gehen wollen und Personen die wir treffen wollen und so weiter - unser Geist geht in alle möglichen Richtungen. Es ist wichtig zu beobachten ob Absinken und Zerstreutheit eintritt. Die Beobachtung des Geistes ist das Gegenmittel zur Überwindung des dritten Fehlers.
Das Gegenmittel zur Überwindung des vierten Fehlers ist die Anwendung der Gegenmittel. Sobald wir merken, dass der Geist in die falsche Richtung geht wenden wir das entsprechende Gegenmittel an.
Das Gegenmittel zur Überwindung des fünften Fehlers ist das richtige Maß der Anwendung von Gegenmitteln, wir versuchen ein Ausgeglichenheit für den Geist zu finden zwischen zu sehr entspannt und aufgeregt. Das heißt es gilt ein Gleichgewicht zu finden zwischen einem dumpfen und einem unruhigen Geist. Wenn wir diese Gegenmittel anwenden werden wir die fünf Fehler bei der Konzentration überwinden.
Es werden neun Stufen der Konzentration unterschieden.
Auf der ersten Stufe stellen wir unseren Geist auf ein Objekt ein, wir bewegen uns nicht, wir blinzeln auch nicht mit den Augen, wir stellen sicher, dass sich auch das Objekt nicht bewegt auf das wir uns konzentrieren und dass wir es klar und deutlich sehen können. Wir versuchen dann zu meditieren. Unsere Augen sind weder weit geöffnet noch geschlossen, etwa halb geöffnet - wir atmen normal weiter, auf langsame und natürliche Weise. Damit bringen wir drei Dinge zusammen, unseren Geist, unsere Augen und unseren Atem und lassen sie auf dem Objekt ruhen.
Da es für Anfänger schwierig ist lange Zeit zu meditieren praktizieren wir auf der zweiten Stufe der Konzentration in vielen kurzen Sitzungen. Wenn wir am Anfang versuchen in langen Sitzungen zu meditieren besteht die Gefahr, dass wir geistig und körperlich erschöpft sind. Das kann dazu führen, dass wir uns von der Meditation abwenden. Deshalb ist es besser in vielen kurzen Sitzungen zu meditieren.
Auf der dritten Stufe versuchen wir bei Störungen durch Geräusche oder ähnlichem unsere Aufmerksamkeit sofort zu dem Objekt zurück zu bringen.
Auf der vierten Stufe machen wir das immer wieder, dass wir unseren Geist auf das Objekt konzentrieren.
Auf der fünften Stufe erinnern wir uns daran welch Qualitäten wir erlangen durch die Konzentration. Wenn unser Geist absinkt oder zerstreut wird sind wir motiviert die Gegenmittel anzuwenden um unseren Geist wieder zum Meditationsobjekt zurück zu bringen.
Wenn wir versuchen unseren Geist auf das Meditationsobjekt zurück zu bringen kann es sein, dass unser Geist doch abgelenkt oder aufgeregt ist. Auf der sechsten Stufe bemühen wir uns noch intensiver den Geist zurück zu bringen um uns von den Ablenkungen zu lösen.
Wenn Gedanken der Wut, der Eifersucht oder andere negative Gefühle in uns entstehen sollten wir diesen nicht folgen. Wenn wir auf jemanden ärgerlich sind passiert es uns leicht, dass wir an diese Person denken und eine Geschichte daraus machen, was er gemacht hat, was er gesagt hat und so weiter. Anstatt diesen Gedanken zu folgen, bringen wir auf der siebten Stufe den Geist sofort zurück auf das Meditationnsobjekt.
Wenn wir die Gegenmittel zur Überwindung des Absinkens und der Zerstreutheit angewandt haben es uns aber nicht gelingt und unser Geist immer noch dumpf oder zerstreut ist, sollten wir ein anderes Mittel anwenden. Auf der achten Stufe untersuchen wir wo die Gedanken herkommen und welche Beschaffenheit sie haben und damit versuchen wir den Geist wieder auf das Meditationsobjekt zurück zu bringen.
Nachdem wir am Anfang viele kurze Sitzungen gemacht haben und dann schrittweise die Zeit verlängert haben, wird die Praxis jetzt einfacher. Wenn wie uns daran gewöhnt haben können wir in dem Zustand der Meditation ohne grosse Anstrengung verweilen.
Wenn wir Konzentration auf diese Weise üben machen wir verschiedene Erfahrungen. Im allgemeinen werden fünf Arten der Erfahrungen unterschieden. Die erste Erfahrung die uns begegnet wird "Wasserfall" genannt. Wenn wir versuchen uns zu konzentrieren entstehen viele Gedanken, ohne Unterbrechung, wie bei einem Wasserfall. Bei einem Wasserfall gibt es keine Pause, das Wasser fließt ohne Unterbrechung, genauso erscheint es uns, dass unsere Gedanken ununterbrochen fließen. Das kann uns entmutigen, denn egal wie sehr wir uns bemühen die Gedanken entstehen trotzdem. In unserem Alltag entstehen auch permanent Gedanken aber wir registrieren sie nicht, wenn wir aber meditieren werden sie von uns wahrgenommen. Das ist ein gutes Zeichen und wir sollten uns nicht entmutigen lassen. Dies wird das Wahrnehmen der Gedanken genannt.
Die zweite Erfahrung wird zur Ruhe gekommene Gedanken genannt. Obwohl Gedanken entstehen gibt es doch Gedankenlücken. Man könnte sagen einige Gedanken werden müde, sie entstehen und dann ist da eine Lücke.
Die dritte Erfahrung ist die der müden Gedanken. Wenn es eine Anregung von aussen gibt entstehen dadurch Gedanken. Wenn diese Anregung fehlt entstehen keine Gedanken.
Die vierte Erfahrung wird "Ozean mit Wellen" genannt. Ein Ozean ist unter der Oberfläche ohne Bewegung nur auf der Oberfläche gibt es Wellen. Wenn unsere Konzentration sehr gut ist und unser Geist sehr ruhig ist und auf dem Objekt konstant verweilt, kann es doch vorkommen dass einzelne Gedanken entstehen, wie bei Wellen auf dem Ozean.
Die fünfte Erfahrung wir "Ozean ohne Wellen" genannt. Wenn wir in der Konzentration sehr geübt sind kann unser Geist konstant auf dem Objekt verweilen - das wird verglichen mit einem Ozean ohne Wellen. Obwohl es von aussen Ablenkungen gibt bleibt unser Geist konstant und einsgerichtet bei dem Objekt und es entstehen keine Gedanken. Wenn wir dazu in der Lage sind sollten wir nicht länger das äußere Objekt betrachten sondern nach innen schauen und unseren eigenen Geist betrachten, in die Klarheit des Geistes schauen und uns darauf konzentrieren. Durch innere Konzentration, ohne ein äußeres Objekt zu benutzen, kann man das Entstehen von Gedanken vermeiden und den einsgerichteten Geist auf die Klarheit konzentrieren.
Dies ist eine kurze Beschreibung wie man Konzentration praktiziert.

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